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Verhaltensstörungen bei Wellensittichen

Zu Verhaltensstörungen kommt es bei Wellensittichen meist durch unsachgemäße Haltung. Zu wenig Freiflug, keine artgerechten Beschäftigungsmöglichkeiten und vor allem die Einzelhaltung führen zu großem seelischen Leid. Wenn Wellensittiche kein Sozialverhalten mit Artgenossen teilen können, werden sie häufig apathisch, sitzen teilnahmslos im Käfig und resignieren. Als Folge davon fressen sie oft sehr viel und neigen zu Übergewicht. Manchmal sieht man auch stereotype (sich dauernd wiederholende) Verhaltensweisen, die stark an Hospitalismusschäden bei Kindern erinnern. Die Wellensittiche hüpfen dann beispielsweise permanent hin und her oder lecken und nagen zwanghaft an den Gitterstäben. Bei diesen Verhaltensstörungen handelt es sich nicht um „Unarten“ von Käfigvögeln, sondern um den Ausdruck schwerer seelischer Störungen.


 

Wellensittiche und Rupfen

Im Gegensatz zu großen Papageien oder Sittichen kommt es bei Wellensittichen seltener zu dem gefürchteten Rupfen, bei dem sich die Vögel vor lauter Kummer selbst die Federn ausreißen. Aber auch wenn dieser augenscheinliche Ausdruck fehlt, bedeutet es keinesfalls, dass ein allein gehaltener Wellensittich nicht ebenso stark leidet. Das Rupfen muss jedoch nicht unbedingt psychische Ursachen haben, sondern kann auch Ausdruck einer körperlichen Erkrankung sein. Sollte Ihr Wellensittich sich die Federn ausreißen, muß auf jeden Fall ein vogelkundiger Tierarzt oder eine Verhaltensberater für Papageien und Sittiche aufgesucht werden. Denn egal ob psychisch oder körperlich bedingt, Rupfen ist immer ein Zeichen dafür, dass es Ihrem Vogel sehr schlecht geht.

 

Wellensittiche und Depressionen

Auch Wellensittiche können unter seelischen Störungen leiden. Wenn ein Vogel teilnahmslos herum sitzt, nicht mehr spielt und zwitschert, können Depressionen die Ursache sein. Allerdings muss ein vogelkundiger Tierarzt  zunächst eine körperliche Erkrankung ausschließen. Genau wie bei an Depressionen erkrankten Menschen, ist nun eine Aktivierung des Patienten nötig. Man sollte sich viel mit dem Wellensittich beschäftigen, versuchen ihn zu Spiel und Bewegung anzuregen, und mit ihm singen und Musik hören.


 

Verwitwete Wellensittiche

Wenn der Partner eines Wellensittichs stirbt, ist der übriggebliebene Vogel meist sehr traurig. Bis der verwitwete Vogel verstanden hat, dass sein Freund nicht mehr wiederkommt, ruft und sucht er ihn oft tagelang, manchmal sogar wochenlang. Danach fällt er häufig in eine Depression. Am besten ist es, wenn man möglichst schnell einen neuen Wellensittich hinzusetzt. Dabei sollte man darauf achten, dass der neue Vogel ein ähnliches Alter hat. Einen Senior mit einem Jungvogel zu vergesellschaften, tut meist beiden Tieren nicht gut.

 

Wellensittiche und Spiegel

Häufig sieht man, dass allein lebende Wellensittiche glänzende Gegenstände, Spiegel oder auch die menschliche Hand anbalzen. Sie halten ihr Spiegelbild für einen Partner und versuchen verzweifelt, Kontakt zu diesem aufzubauen. Das ist jedoch sehr frustrierend für die Wellensittiche, da sämtliche sozialen Verhaltensweisen wechselseitig sind und die Vögel keine artgemäßen Antworten bekommen. Ihr Balzen und Werben bleibt vergeblich, so sehr sie sich auch bemühen. Hähne versuchen oft ihr Spiegelbild zu füttern, was nicht selten zu schweren Kropfentzündungen führt. Einen Wellensittichpartner kann ein Mensch auch mit größter Fürsorge nicht ersetzen.

 

Behandlung von verhaltensgestörten Wellensittichen

Wellensittiche, die artgerecht gehalten werden, entwickeln nur selten Verhaltensstörungen. Leidet ein Tier jedoch erst einmal, ist die Behandlung meist sehr schwierig und langwierig und oft führt sie nicht zu dem gewünschten Erfolg.
Gestörte Wellensittiche sollte man in eine kleine Gruppe mit Artgenossen geben und natürlich für eine anregende Umgebung mit ausreichend Flugraum sorgen (siehe Haltung). Da die Vögel in der Regel sehr ängstlich sind, benötigen sie jedoch auch einen Platz, an den sie sich zurückziehen können. Auf ausreichend Sitzmöglichkeiten auf Vogelbäumen, Sitzbrettern, Spielplätzen etc. ist also zu achten.
Vor allem aber braucht man viel Geduld und sollte die schon

verstörten Wellensittiche niemals zu etwas zwingen, was sie nicht wollen, auch nicht zu ihrem „Glück“. Durch Zwang oder Druck werden sie nur noch ängstlicher und ihre Verhaltensstörungen verstärken sich. Wenn man Glück hat, schließen sie sich mit der Zeit ihren Artgenossen an und können wenigstens einen Teil ihrer sozialen Bedürfnisse ausleben.

Tipp: Kompetente Hilfe kann man sich bei einem Verhaltensberater für Papageien und Sittiche holen.

 



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