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Grabmilben bei Wellensittich und anderen Vögeln

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ständiges Kratzen und Putzen kann ein Hinweis auf einen Befall mit Milben sein

Grabmilben (Knemidokoptes) zählen zur Gattung der Milben (Spinnentiere) und leben als Parasiten auf einem von ihnen befallenen Tier, weshalb man sie als Ektoarasiten bezeichnet. Ihr Aussehen ist gekennzeichnet durch einen rundlichen Körper mit acht Beinen. Mit einer Größe von etwa 0,5 mm sind die Weibchen etwa doppelt so groß wie die Männchen.
Grabmilben ernähren sich von Hautzellen und Lymphe ihres Wirtstieres, weshalb sie an den Stellen des Vogelkörpers leben, die einen hohen Hornanteil vorweisen. Die Hornsubstanz schließen sie mit dem Enzym Keratinase auf, bevor sie verspeist wird. Die Haut des Wirtes dient den Milben auch zur Fortpflanzung. Die Weibchen bohren Gänge in die verhornten Hautregionen, um dort ihre Eier abzulegen, aus denen nach wenigen Tagen Larven schlüpfen. Nach dem Durchlaufen zweier Nymphenstadien erscheint die erwachsene Milbe. Grabmilben haben eine Lebensdauer von 12-21 Tagen.
Bei Papageien und Sittichen treten überwiegend zwei verschiedene Grabmilbenarten auf: die Kalkbeinmilbe (Knemidokoptes mutans), die überwiegend Füße und Beine der Vögel befällt, und die Räudemilbe (Knemidokoptes plae), die sowohl Füße und Beine als auch Wachshaut, Schnabel, Augenlider und Kloake befallen kann. Die von den Räudemilben verursachte Krankheit wird Räude, Schnabelräude, Sittichräude, Vogelräude, Schnabelschwamm oder auch Knemidokoptesräude genannt.

 

 

Symptome bei Grabmilbenbefall

Grabmilben sind so klein, dass sie mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. Typische Veränderungen der verhornten Hautregionen und ein verändertes Verhalten des Vogels lassen einen vogelkundigen Tierarzt den Befall jedoch meist schnell erkennen.
Die Hornhaut wirkt schwammartig und porös. Zunächst bilden sich auf der trockenen Haut kleine Schuppen und helle Beläge, die im Laufe der Zeit zu immer dicker werdenden Krusten, Borken und Wucherungen heranwachsen, die eine grau-gelb-braune Farbe annehmen. Durch die von den Milben Weibchen gegrabenen kleinen Röhren, von außen als kleine Löcher sichtbar, werden die Hornteile zunehmend „löcherig“.
Solange der Milbenbefall noch nicht sehr weit fortgeschritten ist, zeigen viele Vögel kaum Krankheitssymptome. Später kommt es jedoch zu Hautausschlägen, Schwellungen und starkem Juckreiz, den Sie daran erkennen können, dass Ihre Vögel unruhig sind und sich ständig kratzen.
Sind Gesicht und Kloake betroffen, fallen dort die Federn aus, die bei einigen Sittichen auch nach der Therapie nicht wieder nachwachsen.
Sind Beine und Füße mit Milben befallen, sollten Sie besonders darauf achten, dass bei Schwellungen die Fußringe nicht zu eng werden. Das kann zu schweren Beeinträchtigungen bis hin zu einem Absterben der Füße führen. Ein vogelkundiger Tierarzt kann den Ring vorsichtig entfernen und somit das Schlimmste verhindern.

 

Räudemilben an Schnabel und Wachshaut

Werden die Grabmilben nicht behandelt, können sie zu einer großen Gefahr für das Leben Ihrer Vögel werden. Besonders gefährlich ist ein starker Befall des Schnabels. Der Schnabel wird durch die von den Milben gegrabenen Röhren so porös, dass er nicht mehr gerade nachwachsen kann oder sogar abbricht. Ein Schnabelbruch hat meist den Tod von dem betroffenen Sittich zur Folge. In einigen Fällen stirbt der Vogel sofort, weil er durch den Bruch zu viel Blut verliert, in anderen Fällen verhungert er, da er ohne Schnabel nicht mehr fressen kann.
Ist die Wachshaut von Räudemilben befallen, kann auch sie völlig zerstört werden. Eine intakte Wachshaut schützt die unter ihr liegenden Teile der Nase vor Verletzungen und Schmutz. Kann sie ihrer Funktion durch den Befall der Milben nicht mehr nachkommen, können sich Bakterien und Viren im Inneren der Nase verbreiten und das Risiko einer gefährlichen Infektion steigt stark an.

 

 

Grabmilben Behandlung

Bei einem Befall mit Grabmilben stellen sich für den Vogelhalter zunächst einmal die Fragen: was tun und was hilft? Als erstes lässt sich festhalten, dass man beide Grabmilbenarten (Räudemilben und Kalkbeinmilben) auf die gleiche Art und Weise bekämpfen kann, und dass die Heilungschancen im Anfangsstadium sehr gut sind. Schwierig wird es, wenn Beine oder Schnabel starke, nicht reversible Veränderungen zeigen oder wenn der Vogel durch den Milbenbefall schon stark geschwächt ist. Deshalb sollte eine Behandlung möglichst frühzeitig durchgeführt werden.
Zur Unterstützung der Genesung ist es sehr sinnvoll (aber nicht als alleinige Maßnahme ausreichend), den Allgemeinzustand des Vogels zu verbessern. Eventuell vorliegende Erkrankungen sollten behandelt und Stressfaktoren ausgeschaltet werden. Vor allem ist auf eine gute Versorgung mit Nährstoffen zu achten. Das Körnerfutter darf nicht überaltert sein und die Tiere benötigen ausreichend Vitamine, was man durch tägliche Gabe von Grünfutter und ggf Vitaminpräparaten erreichen kann.
Ohne eine direkte Therapie der Grabmilben ist eine Gesundung des Vogels jedoch so gut wie ausgeschlossen.

 

Grabmilben selbst behandeln

Einen leichten Befall mit Grabmilben an Schnabel, Wachshaut, Beinen, oder Kloake kann man unter Umständen selbst behandeln. Dazu müssen die befallenen Stellen etwa vier Wochen 1-2 mal täglich mit Paraffinöl bestrichen werden (Sonnenblumenöl oder Olivenöl kann man auch verwenden, ist aber nicht so effektiv wie Paraffin). Das Öl führt dazu, dass die Milben ersticken, allerdings kann es nicht ihre Eier abtöten. Deshalb sollte die Behandlung keinesfalls abgebrochen werden, wenn die borkigen Wucherungen nach einigen Tagen abfallen. Man muss sie so lange weiterführen, bis alle Larven geschlüpft sind und die ausgewachsenen Milben von dem Paraffin erstickt wurden.
Das Auftragen des Öls ist nicht ganz einfach, denn es muss sehr exakt erfolgen und darf nicht in Auge, Nase, Mund oder das Gefieder des Sittichs gelangen. Schwere gesundheitliche Störungen bis hin zum Tod des Vogels sind ansonsten die Folge.

Info: Wenn Sie sich unsicher sind oder wenig Erfahrung in der Erkennung und Behandlung von Grabmilben haben, sollten Sie auf jeden Fall einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen.

Tipp: Die abfallenden Wucherungen enthalten Milben und deren Eier. Deshalb sollten sie sorgfältig vernichtet werden

 

Grabmilben Therapie mit Stronghold

Oft ist es wenig sinnvoll, Grabmilben selbst zu behandeln. Vor allem wenn die Augenpartien betroffen sind oder die Erkrankung schon weit fortgeschritten ist, sollte möglichst schnell ein vogelkundiger Tierarzt aufgesucht werden. Die Kosten für Untersuchung und Behandlung sind normalerweise nicht sehr hoch.
Es gibt ein sehr wirkungsvolles Mittel gegen Grabmilben, das dem Sittich auf die Haut, meist in den Nacken, getropft wird. Diese Methode nennt man Spot-On Verfahren. Das Medikament wird von der Haut aufgenommen und verteilt sich im gesamten Körper des Vogels (vielleicht kennen Sie die Methode von der Bekämpfung der Zecken bei Hunden und Katzen). Normalerweise verwendet der Tierarzt für die Behandlung von Vögeln den Wirkstoff Ivermectin, der unter den Handelsnamen Stronghold und Ivomec vertrieben wird. Damit alle Milben von dem Medikament erfasst werden, muss die Behandlung mehrmals wiederholt werden.
Ivermectin ist ein Kontaktgift, das nicht gänzlich ungefährlich für Vögel ist. Von gesunden Tieren wird es meist problemlos vertragen, bei einem kränklichen, geschwächten Vogel kann es jedoch zu gesundheitlichen Störungen bis hin zum Tod führen. Je früher ein Sittich behandelt wird, desto besser ist sein Allgemeinbefinden und damit seine Chance, die Therapie unbeschadet zu überstehen.

Vorsicht: Halten Sie sich bitte genau an die Anweisungen und die Dosierungsanleiung von Ihrem Tierarzt! Ivermectin ist ein Gift, das zuverlässig Grabmilben tötet, aber bei falscher Dosierung auch zum Tod Ihres Vogels führen kann.

 

Woher kommen Grabmilben beim Sittich?

Die Ursache für Grabmilben bei Sittichen ist eine Kontaktinfektion, das bedeutet, dass die Milben von einem Vogel zum anderen übertragen werden und somit ansteckend sind. Meist werden Küken schon im Nistkasten von ihren Eltern infiziert. Eine Übertragung zwischen erwachsenen Vögeln ist deutlich seltener, aber dennoch möglich.
Nach der Ansteckung bleiben die Milben oft für eine lange Zeit (bis zu mehreren Jahren) passiv und lösen keine Symptome aus. Ein Ausbrechen der Sittichräude erfolgt erst, wenn der Sittich durch Stress, Mauser, Erschöpfung oder andere Krankheiten geschwächt ist.

Info: Grabmilben leben, anders als beispielsweise Vogelmilben, permanent auf ihrem Wirtstier. Sie bevölkern weder den Vogelkäfig noch die Wohnung. Deshalb ist es auch nicht notwendig, den Käfig oder die Wohnung mit Mitteln gegen Milben zu behandeln. Da diese Mittel für Vögel extrem giftig sind, sind sie nicht nur überflüssig sondern gefährden auch das Leben Ihrer Tiere.

 

 

Grabmilben bei Wellensittichen, Nymphensittich und Kanarienvogel

Grundsätzlich kann man sagen, dass alle Vögel, egal ob Wildvögel, Sittiche, Nymphensittiche, Papageien, Wellensittiche, Kanarienvögel, Zebrafinken oder andere Ziervögel von Grabmilben befallen werden können. Unterschiedlich ist nur die Häufigkeit, mit der sie aufgesucht werden. So wurde beispielsweise festgestellt, dass Kanarien vermehrt einem Befall mit der Kalkbeinmilbe ausgesetzt sind.
Beim Welli sind besonders häufig Grabmilben zu sehen. Man findet sie meist zunächst am Kopf (Nase, Wachshaut, Schnabel, Augenlider), bevor sie auf Beine, Füße und Kloake übergehen. Die borkigen Wucherungen sind in der Regel zunächst auf dem Schnabel, im Schnabelwinkel (Mundwinkel) und auf der Wachshaut zu erkennen.

 

Grabmilben beim Mensch

Grabmilben sind sehr wirtsspezifisch und deshalb nicht vom Vogel auf den Menschen übertragbar. Die Grabmilben, die Geflügel besiedeln, gehen nicht auf Menschen über, d.h. sie sind nicht ansteckend und nicht gefährlich für unsere Spezies.



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