Seitenübersicht

Netzwerke & Links

Legezwang

Als Legezwang bezeichnet man ein Verhalten, bei dem ein Vogel deutlich mehr Eier als artüblich in einem Gelege ablegt, mehrere Gelege direkt nacheinander produziert oder unter ungünstigen Brutbedingungen Eier legt. Dieses zwanghafte Eierlegen ist eine gefährliche Störung, an der eine Henne im Laufe der Zeit auch sterben kann.
Bei der Definition des Legezwangs bei Sittichen wird berücksichtigt, dass die „normalen“ Gelege der meisten Sitticharten aus 2-7 Eiern bestehen und dass ein Paar frühestens 6 Monate nach der Brut erneut Eier legt. Deshalb spricht man von Legezwang, wenn eine Henne mehr als 10 Eier auf einmal legt oder wenn die Brutpause deutlich kürzer als 6 Monate ist.
Man spricht ebenfalls von Legezwang, wenn ein Weibchen Eier legt, obwohl die Voraussetzungen für das Gelingen einer Brut nicht gut sind. In freier Natur brüten Vögel in der Regel nur dann, wenn die Lebensbedingungen so sind, dass sie problemlos Küken großziehen können. Das bedeutet, dass ein gesundes Weibchen einen männlichen Partner hat, ausreichend ernährt ist und eine geeignete Nistmöglichkeit gefunden hat. In menschlicher Obhut hingegen kommt es nicht selten vor, dass Sittichhennen auch unter eher ungünstigen Brutbedingungen für Nachwuchs sorgen wollen. So legen die Weibchen Eier, wenn sie keinen männlichen Partner haben und die Eier somit nicht befruchtet sein können. In diesem Fall wird meist der Halter als Lebenspartner angesehen (bei den Hennen handelt es sich häufig um Handaufzuchten). Eine weitere Grundvoraussetzung für die Aufzucht von Nestlingen ist eine geeignete Bruthöhle. Weibchen mit Legezwang legen auch dann Eier, wenn ihnen kein adäquater Nistkasten zur Verfügung steht. Sie suchen dann selber nach halbwegs geeigneten Plätzen und legen ihre Eier in Kisten, Höhlen, Spalten oder auf den Käfigboden.

 

 

Anzeichen von Legezwang

Legezwang zu erkennen, ist nicht besonders schwierig. Die betroffenen Hennen sind sehr hartnäckig und legen permanent Eier auch nachdem das Gelege eigentlich vollständig ist oder sie beginnen nach dem Ende der Brut sofort mit der nächsten.
Sowohl das dauernde Eierlegen als auch die mehrmalige Aufzucht von Jungtieren sind für die Vögel extrem anstrengend. Sie leiden unter großem physischem und psychischem Stress und werden zunehmend schwächer. Sie wirken oft müde und apathisch. Einige Hennen leiden aufgrund der andauernden Eiproduktion unter so starkem Kalziummangel, dass sie einen Teil ihrer Federn verlieren oder dass sie sich scheinbar grundlos die Beine brechen, da den Knochen das Kalzium entzogen wird.
Leidet ein Sittichweibchen längere Zeit unter Legezwang, kommt es aufgrund der Auszehrung häufig zum Tod des Tieres.

 

Legezwang Folgen und Auswirkungen

Legezwang ist eine schwere und gefährliche Verhaltensstörung, die nicht selten mit dem Tod eines Tieres endet. Anders als Hühner sind unsere Sittiche nicht darauf gezüchtet, möglichst viele Eier zu legen (wobei man feststellen muss, dass auch Legehennen in der Regel kein besonders langes Leben haben).
Das dauerhafte und zwanghafte Eierlegen schwächt eine Henne sehr. Die Produktion der Eier entzieht dem Körper sehr viel Energie, Vitamine und Mineralstoffe, die eigentlich von der Henne für ihre eigene Gesundheit benötigt würden. Das Weibchen leidet trotz guter Ernährung unter Mangelerscheinungen. Schwächezustände, struppiges und glanzloses Gefieder, kahle Stellen durch Federverlust, Krämpfe und eine Schwächung des Immunsystems sind die Folgen.
Da bei der Bildung von Ei und Eierschale besonders viel Kalzium benötigt wird, leiden Hennen mit Legezwang unter eklatantem Kalziummangel. Der Bedarf an diesem Mineral ist so groß, dass er nicht mehr über die Nahrung gedeckt werden kann. Für die Eiproduktion wird deshalb auf körpereigene Reserven zurückgegriffen, was dazu

 

führt, dass sogar den Knochen das Kalzium entzogen wird. Diese verlieren an Substanz und werden sehr brüchig. So kommt es, dass die Hennen sich scheinbar grundlos Knochen (vor allem der Beine) brechen.
Eine weitere Folge des Kalziummangels liegt in einer mangelhaften Eiproduktion. Je länger der Legezwang andauert, desto dünner wird die Eierschale. Ist gar keine Schale mehr vorhanden, wird das Ei nur noch von einer dünnen Haut zusammengehalten und man spricht von einem Windei. Eine dünne und brüchige Eierschale kann für eine Henne sehr gefährlich werden, da so ein Ei einerseits leicht im Körper der Henne zerbrechen und somit zu schweren inneren Verletzungen führen kann, und andererseits der Transport durch den Legedarm erschwert wird, was häufig zu der gefürchteten und lebensgefährlichen Legenot führt.
Eine weitere mögliche Folge des Legezwangs ist der Kloakenvorfall. Dabei wird ein Teil des Legedarms bei der Eiablage mit herausgepresst. Ein Kloakenvorfall ist für eine Henne lebensbedrohlich und man sollte keine Zeit verschwenden, sondern umgehend einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen, um das Leben des Tieres zu retten.

 

Ursachen für Legezwang

Legezwang kann durch körperliche Ursachen (Hormonstörungen) hervorgerufen werden, allerdings liegen sie ihm nur selten zu Grunde. In den meisten Fällen wird Legezwang durch psychische Störungen, oder  Haltungsfehler ausgelöst.
Psychische Störungen, die zu diesem zwanghaften Verhalten führen, sieht man meist bei Handaufzuchten oder einzeln gehaltenen Sittichen. Die Vögel sind so einsam, dass sie sich stark an einen Menschen binden und in ihm ihren Partner sehen. Sie gehen ihrem natürlichen Trieb nach und versuchen, sich mit ihrem Menschen fortzupflanzen. Da ihr Brutverhalten nie von Erfolg gekrönt wird, legen sie immer wieder neue Eier, um doch noch mal Jungtiere großziehen zu können.
Die häufigsten Haltungsfehler, die zu Legezwang führen, sind Einzelhaltung, übermäßiges Futterangebot, Langeweile und die Bereitstellung von Nistmöglichkeiten.

 

Was tun bei Legezwang

Wenn Ihr Sittich Weibchen immer wieder ungewollt Eier legt, sollten Sie Ihre Haltungsbedingungen überprüfen, um eine Brut möglichst zu verhindern. Unterlassen Sie alles, was den Bruttrieb der Henne anregen könnte.
Im Folgenden geben wir Ihnen einige Tipps, auf was Sie achten sollten:

– Keine Nistmöglichkeiten anbieten: Um das Brüten zu verhindern, sollten Sie auf gar keinen Fall Nistkästen aufhängen und den Zugang zu allem verschließen, was ein Sittich als Bruthöhle nutzen könnte, denn jede Form einer Höhle regt den Bruttrieb an. Dazu gehören Kisten, Spalten, Wäschekörbe, offene Schubläden, Pakete, Wäschefächer etc.
– lange Nachtruhe: Eine Nachtruhe von mindestens 12 Stunden, bei brutbereiten Vögeln besser noch 13-14 Stunden, senkt den Hormonspiegel der Henne und kann eventuell eine Brut verhindern. Achten Sie deshalb darauf, dass Ihre Vögel mindestens 12 h am Stück in einem dunklen Raum verbringen.
– Beschäftigungsmöglichkeiten bieten: einige Sittiche leiden sehr unter Langeweile und geraten deshalb immer wieder in Brutstimmung. Beschäftigen Sie sich in dieser Zeit viel mit den Vögeln und stellen Sie reichlich Spielzeug, frische Äste, Kork oder andere Nagemöglichkeiten zur Verfügung.
– Ernährung: Viele Sittiche stammen aus Gegenden, in denen das Futter einen Großteil des Jahres knapp ist. Erst in der Regenzeit finden die Tiere genügend Nahrung. Das ist der Zeitpunkt, an dem sie zur Brut schreiten.
In menschlicher Obhut sind die Vögel (gute Haltung vorausgesetzt) immer ausreichend ernährt. Das Körnerfutter, das vor allem Großsittiche bekommen, enthält zudem häufig sehr (zu) viele Sonnenblumenkerne, die extrem fetthaltig sind. Die Sittiche erhalten so ein Übermaß an Energie, was sie wiederum zur Brut verleitet. Auch eiweißreiches Futter fördert den Bruttrieb. Deshalb sollte man Sittichen, die zu häufig Eier legen, kein Keimfutter, Eifutter oder Aufzuchtfutter anbieten. Im Gegenzug kann es aber auch gefährlich werden, die Hennen einfach auf „Diät“ zu setzen, da das exzessive Eierlegen ihren Körper schon sehr geschwächt hat. Besprechen Sie die Ernährung mit einem vogelkundigen Tierarzt. Eine Umstellung auf extrudiertes Futter, das wesentlich energieärmer als Körnerfutter ist, kann in manchen Fällen dem Bruttrieb Einhalt gebieten. Da die Futterumstellung jedoch nicht ganz unkompliziert ist, sollten Sie sich auf jeden Fall von Fachleuten beraten lassen.
– Eier niemals wegnehmen: Hat die Henne Eier gelegt, sollte man sie auf jeden Fall brüten lassen. Auf keinen Fall darf man die Eier wegnehmen (wie es leider manchmal empfohlen wird), da das Weibchen ansonsten immer mehr Eier legt und dementsprechend immer schwächer wird. Falls die Eier befruchtet sein könnten, sollte man sie abkochen, anstechen oder durch Gips- bzw. Plastikeier ersetzen, damit unerwünschter Nachwuchs fernbleibt. Nach Ende der regulären Brutzeit gibt die Henne das Gelege auf, das man jetzt entfernen kann.

– Menschliches Verhalten: Füttern Sie Ihre Sittiche nicht mit dem Mund (Füttern gehört zum Balzverhalten der Sittiche) und streicheln Sie ihnen nicht mit der Hand über den Rücken (Simulation des Deckaktes), denn so geben Sie einer (partnerlosen) Henne die Illusion, sie hätte einen Partner, mit dem sie sich fortpflanzen könnte.
– Keine Einzelhaltung:
Sittiche sollten aus vielerlei Gründen niemals alleine ohne Artgenossen gehalten werden, u.a. werden durch die Einzelhaltung Verhaltensstörungen wie das zwanghafte Eierlegen gefördert. Suchen Sie möglichst schnell einen passenden (artgleichen) Partner für Ihre Henne, falls diese als Einzelvogel oder in einem gemischten Schwarm ohne Partnervogel der gleichen Sittichart lebt.

 

Behandlung von Legezwang

Bei der Produktion von Eiern verbraucht eine Sittich Henne sehr viel Kalzium. Leidet sie unter Legezwang und produziert deshalb besonders viele Eier, reichen die Bereitstellung von Kalksteinen und Sepiaschalen oder die Gabe von Kalzium über das Trinkwasser allein nicht mehr aus, um den erhöhten Kalziumbedarf zu decken.
Um das Kalzium gut verarbeiten und dem Körper zuführen zu können, benötigen Sittiche ein spezielles Lichtspektrum, das bei Wohnungshaltung nur unzureichend oder gar nicht vorhanden ist. Der Kauf einer Vogellampe (auch Birdlamp genannt), die sowieso jeder Vogelhalter besitzen sollte, ist hier für die Gesundheit der Sittiche unerlässlich. Das spezielle Licht ermöglicht es dem Sittich, das Kalzium besser zu verstoffwechseln.
Oft ist der Kalziummangel so gravierend, dass er zu schweren gesundheitlichen Störungen der Henne führt. Hier ist eine kompetente Beratung und Unterstützung durch einen vogelkundigen Tierarzt dringend erforderlich.

 

Therapie von Legezwang

Sollte sich das Eierlegen überhaupt nicht geben, ist ein Besuch beim Tierarzt, der sich auf die Behandlung von Vögeln spezialisiert hat, unumgänglich. Das Gleiche gilt, wenn die Eierschalen sehr dünn oder verformt oder die gelegten Eier defekt sind. Kaputte Eier können schwere Verletzungen im Inneren des Sittichs (Blutungen, Organschäden etc.) hervorrufen. Oft fehlt der Henne in diesen Fällen Kalzium, was man häufig an gleichzeitig auftretendem Federausfall erkennen kann, der bis hin zu völlig kahlen Stellen, vor allem am Kopf, geht.
Manchmal helfen homöopathische Mittel (z.B. Hormeel) gegen den starken Bruttrieb. Im Notfall können auch Hormonpräparate eingesetzt werden, die jedoch stark schädigende Nebenwirkungen u.a. auf die Organe der Sittiche haben. Ihr Einsatz muss sehr sorgfältig mit einem Fachmann abgewogen werden. In seltenen Fällen muss man auch einen operativen Eingriff, der das Weibchen unfruchtbar macht, erwägen. Da diese Operation jedoch sehr gefährlich ist, kann sie nur als allerletzter Ausweg gesehen werden.

Alle therapeutische Maßnahmen sollten immer mit einem vogelkundigen Tierarzt abgesprochen werden!!!

 

Legezwang bei Wellensittich und Nymphensittich

Legezwang kann bei allen Sitticharten auftreten. Großsittiche wie z.B. Ziegensittiche und Springsittiche leiden besonders häufig daran. Aber auch bei Nymphensittichen kommt er nicht selten vor. Wellensittiche sind nicht ganz so häufig betroffen, da man bei ihnen den Bruttrieb besser steuern kann als bei anderen Sitticharten. Steht den Wellensittichen kein Nistkasten zur Verfügung, geraten sie meist erst gar nicht in Brutstimmung.

 

Info: Informationen über  Sittich Zucht, Sitticheier und  Legenot können sie bei uns finden.

 



sittich24.de wird berprft von der Initiative-S

Mehr Pagerank, Homepage bekannt machen und mehr Besucher!