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Probleme bei Handaufzucht

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Mutterlose Handaufzucht beim täglichen Wiegen

Bei Sittich Küken, die per Hand aufgezogen werden, stellen sich sehr oft Probleme ein. Schon während der Aufzuchtphase kann viel falsch gemacht werden. Die Menge des Futters muss genau bemessen sein, die Temperatur darf nicht zu heiß geraten, das richtige Aufzuchtfutter muss gefunden werden und eine falsche Handhabung der Nestlinge führt schnell zu Verletzungen oder sogar zum Tod des jungen Vogels. Informationen über die Durchführung einer Handaufzucht können Sie bei uns nachlesen.
Auf dieser Seite möchten wir uns mit den psychischen und körperlichen Folgen der Handaufzucht bei Sittichen widmen. Mittlerweile gibt es wissenschaftliche Studien, die sich mit den Auswirkungen der Aufzuchtmethode auf das spätere Verhalten der Vögel befassen. Dabei hat man festgestellt, dass Naturbruten deutlich weniger Verhaltensauffälligkeiten zeigen als Handaufzuchten und dass sie weniger anfällig für Krankheiten sind. Zusammenfassend muss man leider feststellen, dass die Aufzucht per Hand großen Schaden bei Elterntieren und Küken anrichtet.
Auch wenn der Schaden für handaufgezogene Küken geringer ist, wenn sie zumindest mit ihren Nestgeschwistern oder anderen jungen Sittichen der gleichen Art aufwachsen, fehlt ihnen dennoch ein Großteil des arttypischen Verhaltensrepertoires, da sie nichts von ihren Eltern lernen können. Die im folgenden aufgezählten Verhaltensstörungen treten auch bei diesen Sittichen auf.

 

Verhaltensprobleme bei Handaufzuchten

Die am häufigsten auftretenden Verhaltensstörungen bei Handaufzuchten sind:
– Aggressives Verhalten: Handaufzuchten haben keine Distanz zum Menschen aufgebaut und zeigen ihm gegenüber häufig Dominanzverhalten, das sich in Flugattacken und Beißversuchen gegen den Halter zeigt. Nicht selten kommt es (vor allem bei größeren Sittichen mit starkem Schnabel) zu schweren Bissverletzungen an Händen und im Gesicht. Einige Handaufzuchten beißen auch, weil sie schlechte Erfahrungen mit der menschlichen Hand gemacht haben. Leider ist nicht jeder Züchter bei der Futtergabe vorsichtig und sensibel. Wird den Tieren der Schlauch in den Hals gerammt, verursacht das Schmerzen und man muss sich nicht wundern, wenn die kleinen Sittiche hinterher verstört sind.
– Fehlprägung: Handaufzuchten werden auf den Menschen geprägt und sehen in ihm ihren Partner. Sie suchen sich oft einen bestimmten Menschen als Ersatzpartner aus, was leider dazu führt, dass andere Menschen nicht oder nur schwer geduldet

werden. Wenn ein Sittich ein Familienmitglied als Partner gewählt hat, werden Kinder und Ehepartner häufig nicht akzeptiert sondern attackiert und gebissen. Aus dem ehemals zahmen und freundlichen Hausgenossen wird ein Problemfall, der nicht selten im Tierheim landet.
– Federrupfen: Ein Großteil der handaufgezogenen Sittiche pflegen ihr Gefieder entweder zu viel oder gar nicht. Bei Naturbruten kommt dieses Phänomen fast überhaupt nicht vor. Häufig fressen die handaufgezogenen Vögel ihre Federn ab oder sie rupfen sie sich sogar aus. Einige Sittiche treiben es soweit, dass sie fast völlig nackt sind. Wie groß das psychische Leid der Tiere sein muss, damit sie sich selbst diese äußerst schmerzhaften Selbstverstümmelungen zufügen, ist nur schwer vorstellbar.
– Schreien: Durch ihre Prägung auf den Menschen sind handaufgezogene Sittiche in ihrem psychischen Wohlbefinden sehr von ihrem Halter abhängig. Als Schwarmtiere möchten Sie den ganzen Tag in engem Kontakt zu ihrem „Ersatzpartner Mensch“ stehen. Da die meisten Halter jedoch nicht 24 h Zeit für ihre Sittiche haben, fühlen die sich oft einsam und sind frustriert. Sie rufen nach ihrem Menschen und bekommen keine adäquate Antwort. Im Laufe der Zeit entsteht daraus ein großes Problem, denn nicht selten schreien diese Vögel stundenlang ohne Unterbrechung, was sowohl für den Halter als auch für dessen Nachbarn nur schwer erträglich ist.
– Übergewicht: Etwa ein Drittel der Handaufzuchten leidet an Übergewicht, das im Laufe der Zeit zu Folgeerkrankungen und einem früheren Tod des Tieres führen kann. Die Vögel betteln sehr stark um Futter bei ihrem Halter und fressen alles, was ihnen vor den Schnabel gehalten wird. Den meisten Menschen fällt es schwer, einem bettelnden Tier zu widerstehen und sind deshalb eher geneigt, bettelnden Handaufzuchten zu viel Futter zuzustecken.
– Hospitalismus: Handaufzuchten zeigen deutlich häufiger Hospitalismus Erscheinungen als Naturbruten. Immergleiche stereotype Bewegungen und ständiges Lutschen an Käfigstangen oder den eigenen Füßen gehören beispielsweise dazu. In schweren Fällen kommt es auch zu Selbstverstümmelungen.
– Gestörtes Sexualverhalten: Sittiche, die per Hand großgezogen wurden, zeigen nur recht selten ein normales Sexualverhalten. Sie akzeptieren häufig nur den Menschen aber keine Artgenossen als Sexualpartner. Nur bei etwa einem Drittel der Vögel kommt es zur Brut und auch in diesen Fällen treten weitere Probleme auf. Die Jungvögel werden nicht ausreichend gefüttert oder die Elterntiere verhalten sich aggressiv gegenüber den Nestlingen.

 

Probleme der Elternvögel

Eine Handaufzucht hat nicht nur Auswirkungen auf die aus dem Nest entnommenen Küken, sondern auch auf die Elterntiere. Werden Nestlinge von den Altvögeln nicht vollständig großgezogen, wird der Bruttrieb wieder neu entfacht, das Paar legt Eier und beginnt nochmals mit der Brut. Biologisch ist das sinnvoll, denn wenn ein Gelege in der Natur z.B. durch Raubtiere zerstört wird, ist ein Paar trotzdem in der Lage, für Nachwuchs zu sorgen. Die Reproduktion und damit die Erhaltung der Art bleibt aufrechterhalten.
Eine zweite Eiablage ist jedoch vor allem für das Weibchen sehr anstrengend.  Körperliche Schwächung und Auszehrung sind häufig die Folge. Auch bedeutet eine zweite Brut für Männchen und Weibchen erhöhten Stress, der wiederum Einfluss auf das Immunsystem hat. Bakterien, Viren und andere Keime können sich in einem geschwächten Sittich leichter ausbreiten, so dass die Widerstandskraft sinkt und die Krankheitsanfälligkeit steigt.
In der (unseriösen) gewerblichen Zucht ist es leider nicht unüblich, Sittichen ihre Eier immer wieder wegzunehmen. So bringt man die Henne dazu, dauerhaft Eier zu legen, um möglichst viele Küken von einem Paar zu bekommen. Die entnommenen Eier werden künstlich ausgebrütet und die Küken mit der Hand aufgezogen. Mit dieser Methode verdient ein Züchter viel Geld auf Kosten der Tiere. Die so missbrauchten Zuchtvögel sterben in der Regel sehr jung, da sie den Stress und die Auszehrung nur kurzzeitig ertragen können.

 

Aggressionen gegenüber Nestlingen

Ein weiteres Problem, das bei Sittichpaaren, denen die Eier immer wieder weggenommen werden, häufig entsteht, liegt in einer gesteigerten Aggression gegenüber den Nestlingen (falls man den Vögeln einmal die eigene Brut überlässt). MUNKES & SCHROOTEN führen diese Verhaltensstörungen auf eine gestörte Balance zwischen Aggression und Hemmung zurück. Während der Balz und Brutzeit sind Brutpaare aggressiver als außerhalb dieser Zeiten, da sie ihren Nachwuchs gegen Feinde verteidigen müssen. Gleichzeitig müssen sie besonders fürsorglich mit ihren Nestlingen umgehen. Sie befinden sich demnach in einem Wechselspiel zwischen großer Aggression und starker Aggressionshemmung. Dieses instabile Gleichgewicht kann durch Störungen bei der Brut leicht gestört werden. Als Störung wird das Entnehmen der Eier, Nistkastenkontrollen oder die Entnahme der Küken (zum wiegen, säubern, fotografieren oder Beringen) empfunden. Folgen der Störungen im Brutgeschehen sind das Auffressen oder die Zerstörung des Geleges, der Abbruch der Brut und aggressive Handlungen gegen die Küken (rupfen der Federn, beißen, töten).

Tipp: Nicht alle Sitticharten sind gleichermaßen anfällig für Störungen bei der Brut. Einige lassen sich regelmäßige Nistkontrollen ohne Probleme gefallen, bei anderen sollte man diese Kontrollen auf das absolut notwendige Minimum reduzieren.

 

Verantwortung gegenüber Tieren

Zusammenfassend kann man sagen, dass eine Handaufzucht in der Regel nicht zum Wohl der Sittiche durchgeführt wird, sondern an den Wünschen der Menschen (nach einem zahmen Hausgenossen, Profitmaximierung etc.) orientiert ist. Elternvögel und Küken leiden lebenslang an psychischen und körperlichen Folgen dieser Aufzuchtmethode.
Wir wünschen uns sehr, dass die Nachfrage nach Handaufzuchten zurückgeht, damit vielen dieser wunderbaren Vögel großes Leid erspart bleibt. Sie können dazu beitragen, indem Sie sich beim Kauf von Sittichen für Naturbruten und nicht für Handaufzuchten entscheiden. Naturbruten können genauso zahm werden wie Handaufzuchten, und die Neigung zu Aggressionen nach der Pubertät sind bei ihnen deutlich geringer.

 

Info: Informationen über allgemeine Aspekte der Handaufzucht erhalten Sie auf unseren Seiten .

Tipp: Falls Sie eine Handaufzucht vornehmen müssen, ist das Buch „Kunstbrut und Handaufzucht von Papageien und Sittichen“ von Dr. Matthias Reinschmidt ein hervorragender und hilfreicher Ratgeber. Der Autor ist Direktor des Loro Parks auf Teneriffa und wohl einer der renommiertesten Papageien- und Sittichexperten weltweit.

 

Speziell auf die Handaufzucht abgestimmtes Futter können Sie u.a. bei Versele Lager erhalten



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