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Handaufzucht

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Handaufzucht eines Springsittichs, dessen Mutter im Alter von zwei Wochen verstorben ist

Bei der Zucht von Sittichen unterscheidet man zwischen Naturbrut und Handaufzucht. Als Naturbrut werden die Vögel bezeichnet, die von ihren Eltern im Nest ausgebrütet, gefüttert und gemeinsam mit ihren Nestgeschwistern aufgezogen werden.
Bei Handaufzuchten werden entweder schon die Eier den Eltern weggenommen und in einer Brutmaschine künstlich ausgebrütet oder die Jungvögel werden direkt nach dem Schlupf oder im Alter von wenigen Tagen oder Wochen dem Nest entnommen und anschließend von Menschen mit einem Löffel, einer Pipette, einer Sonde oder ähnlichen Hilfsmitteln verabreicht.
Bis vor wenigen Jahren war die Aufzucht von Sittichen per Hand noch die Ausnahme. Nur bei medizinischen Notfällen (z.B. Tod der Eltern, Unterversorgung der Küken, Aggressionen oder Rupfen gegenüber den Nestlingen) griff man auf diese Methode zurück. Heute ist das leider anders. Papageien und Sittichen werden systematisch ihre Eier und Küken weggenommen, um vermeintlich zahme, problemlose Vögel für den Heimtiermarkt „herzustellen“. Zunächst begann man vor allem bei größeren und teureren Papageien mit der Handaufzucht, mittlerweile ist man dazu übergegangen, auch viele Sitticharten mit der Hand aufzuziehen. Selbst Nymphensittich und Wellensittich, die in der Regel schon recht günstig zu kaufen sind, wurden von diesem Trend nicht verschont.

 

 

Prägungsphase bei Sittich Aufzucht per Hand

Um junge Sittich Küken vollständig auf den Menschen zu fixieren, werden sie während der sogenannten Prägungsphase von Artgenossen isoliert und haben lediglich Kontakt zu Menschen. So werden sie auf den Menschen geprägt. Das bedeutet jedoch auch, dass sie nicht den gleichen Reizen ausgesetzt sind wie ihre Artgenossen aus der Naturbrut und dass sie nicht das lernen, was Nestlinge normalerweise hinsichtlich des Sozialverhaltens von den Elterntieren und den Geschwistern lernen.
So kennen sie weder die arttypischen Lautäußerungen noch die arteigene Körpersprache. Das bedeutet für die handaufgezogenen Sittiche, dass sie spätere Partnervögel oder Angehörige ihres Schwarmes nicht verstehen können und dass sie von denen ebenfalls nicht verstanden werden. Sie wissen nicht, ob sie bedroht, angeflirtet oder beschwichtigt werden. Sie haben schlichtweg ihre arteigene Sprache nicht gelernt. Diese fehlenden Lernerfahrungen lassen sich in einem späteren Alter kaum nachholen. Handaufgezogene Sittiche haben deshalb meist Probleme mit Artgenossen, was für Vögel, die normalerweise ein Leben in Gemeinschaft führen, eine Katastrophe ist.
Ein zweites wichtiges Phänomen ist die sexuelle Prägung, die ebenfalls während der frühen Entwicklung geschieht. Handaufgezogene Sittiche werden sexuell auf den Menschen geprägt, was bedeutet, dass sie den Menschen als Lebens- und Sexualpartner ansehen. Es ist schwierig, Handaufzuchten mit Artgenossen zu vergesellschaften und fast unmöglich, sie zu verpaaren. Eine Zucht mit ihnen gelingt nur selten.

 

 

Handaufzucht kaufen?

Viele Menschen, die Papageien oder Sittiche halten möchten, wünschen sich einen zahmen und umgänglichen Vogel als Hausgenossen, mit dem sie kuscheln, spielen und sich beschäftigen können. Züchter und Händler bedienen diesen Wunsch, indem sie handaufgezogene Sittiche zum Verkauf anbieten. Leider werden die Käufer und zukünftigen Besitzer nur selten über die Probleme aufgeklärt, die sie speziell bei der Haltung von Handaufzuchten erwarten.
Ein junges Sittich Baby entspricht in der ersten Zeit meist den Wünschen seines Halters. Er ist erst nicht ängstlich und zeigt großes Interesse am Menschen. Oft ist es sogar völlig auf ihn fixiert. Was den meisten Menschen anfangs verständlicherweise gut gefällt, entwickelt sich jedoch im Laufe der Zeit zu einem großen Problem. Die Sittiche sind auf einen dauerhaften engen Kontakt und die Nähe zum Menschen angewiesen, um psychisch einigermaßen stabil zu bleiben. Kaum ein Halter hat jedoch die Zeit, sich den ganzen Tag über mit seinem Vogel zu beschäftigen. Wendet er sich anderen Dingen zu oder verlässt er sogar die Wohnung ist das für den Sittich als Schwarmvogel ein großes Problem. Er fühlt sich einsam und frustriert und schwere Verhaltensstörungen lassen in der Regel nicht mehr lange auf sich warten.

 

Probleme bei geschlechtsreifen Handaufzuchten

Spätestens wenn ein Sittich geschlechtsreif wird, stellen sich Änderungen in seinem Verhalten ein. Er sucht einen Partner, kann ihn bei Artgenossen nicht finden, weil er während seiner Aufzucht auf den Menschen geprägt wurde. Sein Sexualverhalten ist auf den Menschen ausgerichtet. Balz- und Paarungsversuche mit seinem Halter gehören zur Tagesordnung, fallen für den Sittich natürlicherweise sehr frustrierend aus. Seine Bemühungen um Zuwendung werden vom Menschen nicht adäquat beantwortet (können es auch gar nicht) und der Vogel wird zunehmend frustriert. Sehr häufig kommt es in der Folge zu unkontrollierbaren Aggressionen, Droh- und Imponierverhalten, Flugattacken und Beißversuchen gegenüber dem Halter. Auch ohrenbetäubendes, dauerhaftes Schreien zehrt an den Nerven der Sittichbesitzer. Häufig wissen sich die Halter keinen anderen Rat, als die Handaufzuchten wieder abzugeben oder zu verkaufen.

Tipp: Kaufen Sie keine handaufgezogenen Sittiche, sondern lieber Vögel, die von ihren Eltern großgezogen und sozialisiert wurden. Naturbruten können genauso zahm werden wie Handaufzuchten und sind in der Haltung wesentlich unproblematischer.

 

Finanzielle Gründe für Handaufzucht von Sittichen

Die Zucht von Papageien und Sittichen ist in den letzten Jahren zu einem großen Geschäft geworden. Wie immer, wenn lukrative Gewinne zu erwarten sind, finden sich bald Menschen ein, die diese um jeden Preis erzielen wollen. Auf der Strecke bleiben dabei die Tiere. (Unseriöse) Züchter animieren ihre Zuchtpaare dazu, möglichst viele Eier zu legen. Das erreichen sie durch kleine Volieren, die nur mit einem Nistkasten ausgestattet sind. Artgerechtes Spielzeug und Beschäftigungsmöglichkeiten fehlen, damit die Sittiche keine Ablenkung vom Brutgeschäft haben. Um den Einfluss der Jahreszeiten auf die Brut auszuschalten, wird mit künstlicher Beleuchtung gearbeitet.

Will man die Produktivität der Hennen weiter steigern, nimmt man ihnen frühzeitig die Gelege weg, denn so legen die Weibchen sofort weitere Eier, um die „verlorengegangenen“ zu ersetzen. Dieser Vorgang wird von skrupellosen Züchtern so lange wiederholt, bis die Weibchen ausgezehrt und entkräftet sterben.
Die weggenommenen Eier werden künstlich ausgebrütet und die Küken von Hand aufgezogen. Da Handaufzuchten etwa zwei bis dreimal so teuer wie Naturbruten sind, kann ein Züchter durch den erhöhten Preis und die höhere Anzahl der Küken sehr viel Geld verdienen. Mittlerweile gibt es sogar regelrechte Zuchtfarmen in Deutschland, die junge Küken von Züchtern aufkaufen, um sie mit der Hand aufzuziehen und anschließend mit großem Gewinn zu verkaufen.
Beispiel: ein Paar Nymphensittiche zieht mittels Naturbrut etwa 3-14 Junge pro Jahr auf, das bringt, bei einem Preis von 50 € pro Küken, 150-700 € für den Züchter. Mit der Wegnahme der Eier kann man eine Henne dazu bringen, 50 und mehr Eier, die ihr immer wieder weggenommen werden, pro Jahr zu legen und die Küken anschließend mit der Hand aufziehen. Rechnet man 100 € pro Küken, kommt ein Züchter so auf etwa 5000 € pro Jahr. Das Nymphensittichweibchen kann diese Leistung natürlich nicht lange erbringen. Nach etwa zwei Jahren ist sie „nicht mehr zu gebrauchen“ und wird entweder verkauft, getötet oder stirbt an Entkräftung.
Wenn man diese Zahlen sieht, kann man sich denken, dass es nicht im Interesse von Züchtern und Verkäufern liegt, sich dieses lukrative Geschäft selbst kaputtzumachen, indem sie ihre Kunden über die häufig auftretenden Probleme bei Handaufzuchten und über die ethische Verantwortung, die wir alle gegenüber unseren gefiederten Hausgenossen tragen, aufzuklären.

 

Tipps: In letzter Zeit werden immer häufiger noch nicht futterfeste Sittichküken zum Verkauf angeboten. Die Käufer sollen ihre neu erworbenen Vögel anfangs selber mit der Hand füttern, um angeblich die Bindung zwischen Vogel und Mensch zu intensivieren. In Wirklichkeit ersparen sich die Verkäufer mit diesem Trick Zeit und Geld bei der Umstellung des Sittichs auf festes Futter. So kann der Gewinn weiter maximiert werden. Vor allem für ungeübte Vogelbesitzer ist die Fütterung eines Nestlings jedoch sehr schwierig. Der Zeitaufwand ist riesig und man kann große Fehler machen, die nicht selten mit dem Tod des Tieres enden.

 

Info: Informieren Sie sich über Probleme bei Handaufzuchten und über die Durchführung einer Handaufzucht auf unseren Seiten.

 

Tipp: Falls Sie eine Handaufzucht vornehmen müssen, ist das Buch „Kunstbrut und Handaufzucht von Papageien und Sittichen“ von Dr. Matthias Reinschmidt ein hervorragender und hilfreicher Ratgeber. Der Autor ist Direktor des Loro Parks auf Teneriffa und wohl einer der renommiertesten Papageien- und Sittichexperten weltweit.

 

Speziell auf die Handaufzucht abgestimmtes Futter können Sie u.a. bei Versele Lager erhalten



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